Die Geburt eines Kindes ist für den weiblichen Körper eine enorme körperliche und emotionale Herausforderung. Besonders der Beckenboden, der während Schwangerschaft und Entbindung stark beansprucht wird, benötigt nach der Geburt gezielte Aufmerksamkeit. Eine gezielte Beckenbodenrehabilitation spielt eine zentrale Rolle für die Rückbildung, die Vermeidung von Inkontinenz und die Wiederherstellung des allgemeinen Wohlbefindens. In diesem Artikel erfährst du, wann und wie du mit der Beckenbodenrehabilitation beginnen solltest, welche Übungen sinnvoll sind und worauf du besonders achten musst.
- Was passiert mit dem Beckenboden während der Schwangerschaft und Geburt?
- Wann sollte man mit der Beckenbodenrehabilitation beginnen?
- Wie funktioniert Beckenbodenrehabilitation effektiv?
- Unterstützende Maßnahmen für die Beckenbodenrehabilitation
- Häufige Fehler bei der Beckenbodenrehabilitation
- Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
- Fazit: Der richtige Start in die Beckenbodenrehabilitation nach der Geburt
Was passiert mit dem Beckenboden während der Schwangerschaft und Geburt?
Während der Schwangerschaft tragen die Beckenbodenmuskeln das zunehmende Gewicht des Babys und werden stark gedehnt. Hormone wie Relaxin und Östrogen lockern zudem das Bindegewebe, um die Geburt zu erleichtern. Während einer vaginalen Entbindung kann es zu Mikroverletzungen, Muskelüberdehnung oder sogar Rissen kommen. Nach dem Kaiserschnitt bleibt die Belastung zwar anders, aber auch hier wird der Beckenboden durch Schwangerschaftsdruck und eingeschränkte Bewegung beeinflusst. Diese Veränderungen führen häufig zu Symptomen wie Harnverlust, Druckgefühl im Becken oder einer Abnahme der sexuellen Empfindung. Weitere Informationen finden Sie hier: pelvi-care.de
Wann sollte man mit der Beckenbodenrehabilitation beginnen?
Die Beckenbodenrehabilitation beginnt in der Regel nach dem Wochenbett, also etwa 6 bis 8 Wochen nach der Geburt, sobald der Körper ausreichend Zeit zur Heilung hatte. Bei einem Kaiserschnitt kann die Rückbildung etwas später starten, da die Bauchmuskulatur und die Operationsnarbe zusätzliche Erholung benötigen. Wichtig ist, den Beginn immer mit der Hebamme oder Gynäkologin abzusprechen. In den ersten Tagen nach der Geburt kann man jedoch bereits mit sanften Wahrnehmungsübungen beginnen. Diese helfen, das Bewusstsein für die Beckenbodenmuskulatur zurückzugewinnen, ohne sie zu überlasten.
Frühphase (erste Wochen nach der Geburt)
In dieser Phase stehen sanfte Entlastung und Wahrnehmung im Vordergrund. Frauen können einfache Atemübungen durchführen, die die Durchblutung fördern und den Heilungsprozess unterstützen. Tiefe Bauchatmung – bei der sich beim Einatmen der Bauch hebt und beim Ausatmen leicht einzieht – aktiviert den Beckenboden auf natürliche Weise. Auch das bewusste Spüren der Beckenbodenregion im Liegen kann hilfreich sein, um eine Verbindung zu dieser Muskelgruppe wiederherzustellen.

Nach der ärztlichen Freigabe (ca. 6–8 Wochen)
Wenn der Arzt oder die Hebamme grünes Licht gibt, können gezielte Beckenbodenübungen beginnen. Dazu gehören das Anspannen und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur, sanfte Kegel-Übungen sowie Übungen, die den transversalen Bauchmuskel mit einbeziehen. Diese Kombination stärkt die innere Stabilität und unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter.
Wie funktioniert Beckenbodenrehabilitation effektiv?
Die Rehabilitation erfolgt schrittweise und individuell angepasst. Eine gut strukturierte Beckenbodenrehabilitation umfasst in der Regel drei Phasen: Wahrnehmung, Kräftigung und Integration.
Phase 1: Wahrnehmung und Kontrolle
Viele Frauen spüren nach der Geburt ihren Beckenboden nicht richtig. Daher beginnt jede Rehabilitation mit Wahrnehmungstraining. Übungen wie das bewusste Stoppen des Urinstrahls (nur zu Übungszwecken, nicht regelmäßig) helfen, die richtige Muskelgruppe zu erkennen. Auch Visualisierungen – etwa das Gefühl, eine kleine Murmel im Becken nach innen zu ziehen – können hilfreich sein.
Phase 2: Kräftigung und Ausdauer
Nachdem die Wahrnehmung verbessert wurde, folgt das gezielte Training. Die Muskeln werden in verschiedenen Positionen (Liegen, Sitzen, Stehen) trainiert. Wichtig ist, dass beim Anspannen nicht gleichzeitig Gesäß oder Oberschenkel aktiviert werden. Durch regelmäßige Übungen (2–3 Mal täglich) kann die Muskelkraft innerhalb weniger Wochen deutlich zunehmen.
Phase 3: Integration in den Alltag
Ein trainierter Beckenboden sollte auch im Alltag aktiv bleiben. Das bedeutet, die Muskeln beim Husten, Niesen oder Heben automatisch anzuspannen. In dieser Phase wird der Beckenboden wieder zu einem funktionalen Bestandteil alltäglicher Bewegungen – ähnlich wie vor der Schwangerschaft.
Unterstützende Maßnahmen für die Beckenbodenrehabilitation
Neben den klassischen Übungen können verschiedene ergänzende Methoden die Rückbildung unterstützen.
Rückbildungsgymnastik und Physiotherapie
Viele Hebammen bieten Rückbildungskurse an, in denen Beckenbodenübungen systematisch erlernt werden. Auch eine Beckenboden-Physiotherapie ist hilfreich, besonders bei stärkeren Beschwerden oder nach komplizierten Geburten. Hier wird individuell geprüft, welche Muskeln geschwächt oder überlastet sind.
Hilfsmittel und Trainingsgeräte
Es gibt spezielle Beckenbodentrainer, wie Konen, Biofeedback-Geräte oder elektrische Stimulationsgeräte. Diese können helfen, den Trainingserfolg zu überwachen und die Muskeln gezielt zu aktivieren. Jedoch sollte ihre Nutzung mit einem Facharzt abgesprochen werden.
Ernährung und Haltung
Eine ballaststoffreiche Ernährung beugt Verstopfung vor, die den Beckenboden zusätzlich belasten kann. Ebenso wichtig ist eine gute Körperhaltung – ein gerader Rücken und eine stabile Körpermitte entlasten das Becken.
Häufige Fehler bei der Beckenbodenrehabilitation
Ein häufiger Fehler ist, zu früh oder zu intensiv zu trainieren. Überlastung kann den Heilungsprozess verzögern und Schmerzen verursachen. Auch falsches Atmen – etwa Pressatmung – sollte vermieden werden. Der Beckenboden arbeitet immer in Verbindung mit der Atmung: Anspannen beim Ausatmen, Entspannen beim Einatmen. Zudem ist Geduld entscheidend – sichtbare Fortschritte stellen sich meist erst nach mehreren Wochen ein.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Wenn Symptome wie anhaltender Harnverlust, ein Senkungsgefühl oder Schmerzen im Beckenbereich bestehen bleiben, sollte eine Fachärztin oder ein Beckenboden-Therapeut aufgesucht werden. In manchen Fällen kann eine gezielte Physiotherapie oder sogar eine operative Behandlung notwendig sein.
Fazit: Der richtige Start in die Beckenbodenrehabilitation nach der Geburt
Die Beckenbodenrehabilitation ist ein zentraler Bestandteil der Rückbildung nach der Geburt. Sie hilft nicht nur, Beschwerden vorzubeugen, sondern stärkt langfristig die Lebensqualität. Der ideale Zeitpunkt für den Beginn liegt nach der ärztlichen Freigabe, meist 6 bis 8 Wochen nach der Geburt. Mit sanften Übungen, Geduld und professioneller Anleitung lässt sich die Beckenbodenfunktion erfolgreich wiederherstellen. Ein gesunder Beckenboden bedeutet Stabilität, Wohlbefinden und Selbstvertrauen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur vollständigen Erholung nach der Geburt.
